Das Wesen des Hundes

Das Wesen ist Bestandteil des Standards unserer Hunde. Obwohl das Wesen vererbbar ist, so wie die Schönheit, kann aber durch gewisse Umwelteinflüsse auch hier vieles verändert werden. Das künftige Schicksal des Hundes ist also bei der Geburt nicht restlos vorausbestimmt. Es kann durch Haltung im guten oder schlechten Sinne beeinflusst werden. Ein Hund, dessen Meute der Mensch ist und dessen Meuteführer sein Herr ist, kann sich keine neue Meute suchen, wie das Wildtier.

Unser Hund ist ein Produkt seiner Erbmasse, seiner Umgebung, Erziehung und Ausbildung. Eine gute Erbmasse ist die Voraussetzung für die spätere Erziehung und Ausbildung. Scheue und nervöse Elterntiere können keine nervenfesten Nochkommen ziehen. Und wenn, dann ist es ein Zufallsprodukt und auf Zufallsprodukte dürfen wir uns in der Zucht nicht verlassen.

Wie begegne ich anderen Hunden ?

  1. Bewahren Sie Ruhe, vermitteln Sie Ruhe!
  2. Eigene Angst vor fremden Hunden überträgt sich auf den eigenen Hund
  3. Nehmen Sie Ihren Hund niemals auf den Arm bei einer Begegnung mit anderen Hunden. Ihr Kleiner fühlt sich so sicher da oben bei Ihnen, dass er regelrecht frech werden kann und so den anderen provoziert. Aus Erfahrung ist ein Hund auf dem Arm immer besonders interessant für andere Hunde.
  4. Lassen Sie die Leine locker. Bei straffer Leine ist zu sehr die Verbindung zum starken Hundeführer hergestellt. Das macht Mut, denn er fühlt sich dann von uns bestärkt. Mit so einem starken Partner im Hintergrund kann man auch mal grosskotzig sein und den fremden Hund ankeifen, was diesen zurecht sauer macht und zum Angriff animiert.
  5. Begegnet Ihnen ein Hund an der Leine, so ist es ungeschriebenes Gesetz, Ihren Hund auch anzuleinen.
  6. Sprechen Sie sich vorher mit dem anderen Hundeführer ab, ob man die Hunde ableinen kann.

Rüden raufen gern  

Gut sozialisierte Rüden haben einen Kommentkampf, ein ritterliches Fechten, das allein darauf abzielt, dem anderen zu zeigen, dass man stärker ist. In der Regel ist es nichts als schnöde Angabe. Jeder passt auf, dass er nichts abbekommt und passt auch auf, dass der andere nichts abbekommt, denn sonst könnte der ja echt böse werden, und das hat man nicht besonders gern, weil es dann ernst würde.

Ernst kann es tatsächlich werden, wenn man die Hunde an der Leine führt, und es kommt zum Kampf. Die Leine ist nicht nur ein Instrument, um den Hund festzuhalten. Sie ist das Verbindungsstück zwischen Hund und Herrn. Ist der Hund an der Leine, dann ist er mit seinem Herrn eins. Das gibt Kraft und Stärke. Da kann man dem fremden Rüden mal zeigen, wer man ist. Der Hundeführer an der Leine ist überdies auch noch ein Stück Territorium, das es zu verteidigen gilt. Wenn nun der andere Rüde auch an der Leine ist, geht es ihm nicht anders, und es passiert was passieren muss, die Hunde gehen sich wie Berserker an. Sollten Sie die Hunde dann nicht gehalten bekommen, so lassen Sie die Leinen los. In der Regel geht man dann wieder zum Kommentkampf über, aber nur gut sozialisierte Hunde. 

Ein Zweikampf angeleinter Rüden geht selten ohne Schrammen ab.

Im echten aggressiven Kampf sind alle Hunde, ob Rüde oder Hündin völlig blind, taub, witterungslos und schmerzunempfindlich. Wenn sie in Rage sind, beissen Sie wie Krokodile nach allem, was ihnen vor die Zähne kommt. Also vorsichtig, nicht dazwischenfassen. 

Sie zu trennen ist nur möglich, wenn beide Hundebesitzer gleichzeitig ihren Hund an beiden Hinterbeinen fassen, hochheben und auseinanderziehen.

Da werden Weiber zu Hyänen  

Auch bei Hündinnen kann es zu Auseinandersetzungen kommen, die harmonisch enden. Hündinnen kennen aber in der Regel keinen Kommentkampf. Sie sind im Ernstkampf noch leidenschaftlicher als Rüden. Rüden können sich beim ersten Kampf Stücke aus dem Leib reissen, ist der Streit geschlichtet, gibt es immer noch die Chance, dass sie sich eines Tages versöhnen. Nicht so bei einer Hündin. Im Wolfsrudel angelt sich die Wölfin ihren Rüden, und wenn ihr dabei eine andere Wölfin ins Gehege kommt, gibt es Mord und Totschlag. Ganz schlimm ist das, wenn eine Hündin am Anfang der Hitze steht, denn dann ist sie besonders reizbar. Bei kämpfenden Hündinnen sollte man versuchen, diese - wie oben beschrieben - zu trennen.

Leinenmanieren  

Es gibt zwei Arten des Gehens an der Leine. Erstens, das normale Spazieren gehen, wobei der Hund auch an einer längeren Leine gehalten wird, und zweitens, das Mitführen Ihres Hundes in verkehrsreichen Gegenden wobei er eng bei Ihnen bleiben muss. In beiden Fällen ist es ratsam dem Hund schon früh beizubringen, dass er nicht zu ziehen hat. Wenn er nämlich von Anfang an nicht zerrt, müssen Sie ihm das später auch nicht abgewöhnen. Es gibt viele Hunde, die wie kleine Dampflokomotiven ihre Besitzer hinter sich herziehen. Es liegt in der Natur eines kleinen Welpen, bei Ihnen sein zu wollen und Ihnen zu folgen. Das können Sie sich zunutze machen, wenn Sie ihm beibringen sich an der Leine in der Öffentlichkeit zu bewegen. Reden Sie beim Gehen mit ihm und ermahnen Sie ihn immer, bei ihnen zu bleiben.

Beginnt der Hund an der Leine zu ziehen, sprechen Sie in einem scharfen Ton mit ihm. Zeigt sich eine Ablenkung, etwa ein anderer Hund, so intensivieren Sie die verbale Ermutigung, bei Ihnen zu bleiben (ggf mit Leckerlis). Bleiben Sie einfach stehen und warten bis der Druck des Halsbandes den Welpen daran erinnert, dass er seine Grenzen erreicht hat. Rufen Sie ihn dann und loben Sie ihn, wenn er zu Ihnen kommt.  

Nehmen Sie Ihren Welpen überall hin mit. Das ist nicht nur ein wertvoller Aspekt der Sozialisation, sondern bietet ihm auch Gelegenheit, sich in allen denkbaren Situationen richtig zu verhalten und bei Ihnen an der Leine zu bleiben, egal was auch geschieht.

Der Hund im Strassenverkehr  

Machen Sie Ihren Hund mit dem Strassenverkehr vertraut.

Sobald sich der Hund bei Ihnen eingelebt hat, sollte er mit dem Strassenverkehr vertraut gemacht werden. Zu diesem Zweck bewegen Sie sich mit ihm beim erstenmal nicht im dichtesten Grossstadtverkehr. Es gilt, ihn behutsam darauf vorzubereiten. Hilfreich erweist sich ein Stehen bleiben nicht zu nahe an der Strassenkante, damit dem Hund das Beobachten des fliessenden Verkehrs möglich ist. Wenn die Strasse frei ist, wird in zügigen Schritten mit dem Hund die Fahrbahn überquert. Zum Eingewöhnen sollte man nicht allzu belebte Strassen auswählen. Bei der Eingewöhnung an den Strassenverkehr zeigt sich, wie gross das Vertrauen des Hundes zu seinem Menschen ist. Er wird schnell erkennen, dass ihm die grossen Ungetüme nichts anhaben können, wenn er sich in unserer Nähe aufhält. Es gibt zaghafte Hunde, die sich schutzsuchend bei uns verkriechen wollen, es gibt Hunde, die vor Angst weglaufen wollen und es gibt welche, denen macht der Verkehr gar nichts aus. Es kommt auf das Wesen des Hundes an. Auf alle Fälle nehmen Sie ihn nicht auf den Arm, wenn er Angst hat. Das verstärkt nur seine Angst. Lassen Sie ihn immer erst die vermeintliche Gefahr aufnehmen und zerren Sie ihn nicht in Richtung Verkehr. Bestärken Sie ihn, reden Sie mit ihm und bleiben Sie ruhig.

Für einen verkehrsungewohnten Hund ist es am Anfang leichter, gegen den Verkehr zu laufen. Autos, die von hinten kommen und die er nicht sehen kann, bereiten ihm Unbehagen. Üben Sie mit ihm schon von Anfang an das "Sitz" auf dem Bordstein, bevor Sie mit ihm über die Strasse gehen, aber nicht zu nahe an der Kante. Er soll lernen, dass er nicht so ohne weiteres vom Bordstein auf die Fahrbahn laufen darf. So wird er sich schnell merken, sich von selbst hinzusetzen bevor er mit Ihnen die Strasse überquert. Fahren Sie mal mit ihm per Strassenbahn, Bus oder S-Bahn in die Stadt. Gehen Sie mal mit ihm auf den Wochenmarkt, aber nicht um selbst einzukaufen, sondern einfach nur zum Üben, damit Sie sich ganz auf Ihren Hund konzentrieren können. Je mehr er sich an alles gewöhnt, um so sicherer wird sein Verhalten.

Hund im Auto  

Jeder gesunde Hund lässt sich ohne Schwierigkeiten frühzeitig ans Auto gewöhnen. Wenn Sie die Autofahrt mit dem Spaziergang verbinden also mit etwas Positivem, wird er das Auto immer im Zusammenhang mit angenehmen Erlebnissen sehen und gerne mitfahren. Sollten Sie ihn aber nur im Auto transportieren, wenn Sie z.B. zum Tierarzt fahren oder in den Hundesalon, so wird er das Auto immer mit Negativem in Verbindung bringen. Eine grosse Bedeutung kommt oft dem ersten Transport zu. Die erste Fahrt darf nur über eine ganz kurze und möglichst nicht zu erschütterungsreiche Strecke gehen. Fahren Sie beim erstenmal langsam. Je öfter er Sie auf reinen Spazierfahrten begleiten darf, um so wahrscheinlicher ist es, dass er es geniesst und sich auf diese Ausflüge freut. Legen Sie den Platz Ihres Hundes im Auto von vornherein fest. Bei Ihrer Entscheidung sollten Sie bedenken, wie gross er im ausgewachsenen Zustand sein wird. Das Geschoss von einem Hund, dass bei einer Vollbremsung in Ihren Nacken fliegt, kann Sie töten.

Der beste Platz für einen Hund ist der Kofferraum in einem Kombi mit einem Abtrenngitter. Ein akzeptabler Platz ist auch der Fussraum vor dem Beifahrersitz. Hier liegt der Hund auf festem Boden, kann sich einkuscheln und belästigt niemanden, sofern man ihn daran hindert ( durch Erziehung oder kurzer Leine), dem Fahrer zwischen die Beine zu kriechen. Vorsicht im Winter, lassen Sie die Heizung aus! Auch bei einer Limousine kann man hinter Fahrer- und Beifahrersitz ein Gitter klemmen ( lassen Sie Sich hier beim Autohersteller beraten ) oder eine Transportkiste auf den Rücksitz stellen, wobei diese dann zu sichern ist, denn bei einer Vollbremsung wird sie sich selbständig machen. Es gibt Geschirre, womit Sie Ihren Hund auf dem Rücksitz festschnallen können.

Nicht geeignet ist der Kofferraum einer geschlossenen Limousine

Es gibt Hunde, die das Autofahren schlecht vertragen. Bei den meisten Hunden wurde bei der ersten Fahrt schon alles falsch gemacht, so dass der Welpe eine negative Erinnerung hat. Solche Hunde muss man sehr vorsichtig wieder neu ans Auto gewöhnen. Setzen Sie sich erst ein paar Mal nur so mit ihm ins Auto. Spielen Sie mit ihm, füttern Sie ihn im Auto. Bemitleiden Sie ihn aber nicht, wenn er Angst hat. Machen Sie das gleiche später mit laufendem Motor. Fahren Sie mit ihm nur ganz kurz zur nächsten Ecke um einen schönen Spaziergang zu machen oder auszusteigen, um ihm ein Leckerchen zu geben. Vielen Hunden wird regelrecht schlecht vor Angst, sie fühlen sich dem Untergang geweiht, aber je öfter das Auto mit etwas Positivem verbunden wird, kann es sein, dass sich das bessert. Es sei denn, dass er es wirklich nicht vertragen kann. Sollten Sie so einen Hund besitzen, so sollten Sie ihn so wenig wie möglich im Auto transportieren und eventuell überlegen, sich vom Tierarzt etwas verschreiben zu lassen, für die Fälle, dass Sie ihn doch einmal im Auto mitfahren lassen müssen. In allen Fällen, ob der Hund Angst hat, ob ihm einfach im Auto schlecht wird oder ob er gerne mitfährt, füttern Sie Ihren Hund nicht bevor Sie mit ihm fahren. Er sollte ca. 2 Stunden vor einer Fahrt nichts essen.

Bitte beachten Sie folgende Regeln, wenn Sie Ihren Hund im Auto transportieren und ihn auch mal für kürzere oder längere Zeit in diesem alleine lassen wollen:

  • Der Hund sollte vor Beginn einer längeren Fahrt nicht gefüttert werden, allerdings sollten Sie einen Trinknapf und eine Flasche Wasser bereit halten
  • Der Hund darf unter keinen Umständen während der Fahrt den Kopf aus dem Fenster halten (Augenentzündung)
  • Er sollte nie von sich aus den Wagen verlassen dürfen. Erziehen Sie ihn dazu, nur auf ihr Kommando hin den Wagen zu verlassen.
  • Er muss so untergebracht sein, dass er den Fahrer nicht belästigen oder gefährden kann
  • Wenn er im Wagen ist, braucht er Frischluft, also Fenster einen Spalt aufmachen, Wagen in den Schatten stellen und berücksichtigen, dass die Sonne wandert.
  • Denken Sie im Winter daran, dass der Wagen schnell auskühlt

Anspringen  

Selbst wenn es Ihnen nichts ausmacht, dass Ihr Hund an Ihnen hochspringt, gilt das vermutlich nicht für Ihre Gäste oder die Passanten, die Ihnen entgegenkommen. Die Abdrücke schmutziger Pfoten, die manchmal auf Ihrer Kleidung entstehen, sind Ihnen vielleicht auch nicht angenehm. Darüber hinaus kann ein vollständig erwachsener grosser Hund ein kleines Kind oder einen zierlichen Erwachsenen umwerfen, wenn er den betreffenden Menschen überrascht.

Wie hält man also einen Hund davon ab, an Menschen hochzuspringen?

Wie bei allen anderen Verhaltensweisen, die Sie unterbinden wollen bevor aus Ihnen feste Gewohnheiten werden, ist es günstig, einen Hund daran zu hindern, an Menschen hochzuspringen, solange er noch klein ist. Das Springen beginnt gewöhnlich wenn er etwa 3 Monate und voller Energie und Elan ist und sich wirklich freut wenn Sie kommen. Doch wenn er sich so verhält, unternehmen Sie sofort etwas. In dem Moment, in dem er damit beginnt, seine Läufe auf Ihre Knie zu setzen, sollten Sie behutsam seine Pfoten ergreifen und mit einem deutlichen Nein auf den Boden setzen. Seien Sie nicht grob. Sie können dabei beruhigend mit ihm sprechen. Wiederholen Sie das jedes Mal, wenn er versucht Sie anzuspringen und fordern Sie die anderen Familienmitglieder auf, es genau so zu handhaben.

Beugen Sie sich beim Begrüssen zu Ihrem Welpen herunter ( in die Knie gehen ), dann braucht er nicht hochzuspringen , um Sie zu begrüssen. Je konsequenter Sie das durchführen, um so schneller haben Sie dann einen Hund der keinen mehr anspringt.

Tipp: Erlauben Sie Ihrem Hund nie, an Ihren Besuchern hochzuspringen oder sie zu erschrecken, so freundlich seine Absichten auch sein mögen.

Jogger und Fahrradfahrer  

Gewöhnen Sie Ihrem Hund schon früh an, Joggern und Fahrradfahrern nicht hinterherzulaufen. Machen Sie Ihren Hund fest und lassen Sie ihn neben sich absitzen, bis Jogger und Fahrradfahrer vorbei sind, zum Schutz für Ihren Hund und um den Passanten die Sicherheit zu geben, dass nichts passieren kann. Besonders bei Joggern gibt es viele, die panische Angst vor freilaufenden Hunden haben. Auch wenn Ihr Hund keinem hinterherlaufen würde, die Jogger und Fahrradfahrer wissen das doch nicht.

Wenn Sie Ihren Hund also absitzen lassen, signalisieren Sie damit, dass Sie ihn im Griff haben. Die meisten Jogger und auch die Fahrradfahrer bedanken sich sogar bei uns dafür. Wir sind ja als Hundeführer nicht allein auf der Welt und müssen uns mit den anderen arrangieren. Von uns und unserem Hund geht doch die Gefahr aus, dass etwas passiert. Dabei braucht Ihr Hund noch nicht einmal einen Jogger zu beissen, es reicht ja schon aus wenn er ihm so unglücklich zwischen die Beine läuft, dass er stürzt. Wir haben es doch in der Hand, den Hund in der Öffentlichkeit gut darzustellen. Schlechte Beispiele gibt es genug. Sollte Ihr Hund aus dem Sitz heraus versuchen, hinter dem Jogger/Fahrradfahrer herzulaufen, so halten Sie ihn davon ab und lassen ihn wieder "Sitz" machen. Später können Sie das "Sitz" auch aus der Ferne üben, was sehr nützlich ist, wenn plötzlich von hinten ein Fahrradfahrer auftaucht, den man vorher nicht bemerkt hat.

Gerade bei vielen Fahrradfahrern scheint es eine Hemmung zu geben, überhaupt oder früh genug zu klingeln. Da kommt man schon in Panik, wenn der Hund bereits etwas vorgelaufen ist. Schauen Sie sich deshalb auch öfter mal um, wenn Ihr Hund frei läuft.

Kind und Hund  

Wenn zuerst das Kind da ist und Sie einen 8-wöchigen Hund ins Haus bringen, wächst er in einer sozialen Umwelt auf, in der es für ihn selbstverständlich ist, dass auch ein kleiner Mensch dazugehört. Auch bei einem instinktmässig nicht gerade idealen Hund wird dann über den Weg der Gewöhnung das Kind respektiert werden - vorausgesetzt natürlich, dass die Eltern die mögliche Freundschaft zwischen Kind und Hund im besten Sinne fördern.

Nicht nur Hunde können eifersüchtig auf Kinder sein, auch das Umgekehrte ist möglich. Fühlt sich ein Kind durch den im Mittelpunkt stehenden Welpen gestört, und sagt es sogar, der Hund solle wieder fort, heisst es aufpassen. Kinder sind im Durchsetzen ihrer Gefühle ebenso erfinderisch wie Hunde. Rein zufällig wird so ein Hund einmal gezwickt, geschlagen oder getreten, wenn gerade niemand zusieht. Manche Hunde lassen sich das gefallen. Für andere ist das Mass dann irgendwann einmal voll. Dann hat wieder einmal ein bis dahin braver Hund ein Kind gebissen.

Hinsichtlich Kindern und Hunden steht an erster Stelle die Sicherheit. Sie können nicht gewissenhaft und wachsam genug alle Vorkommnisse durchdenken und beobachten. Kinderfeindliche Hunde sind das Ergebnis negativer Erfahrungen, die sie im Welpen- und Junghundalter mit unerzogenen Kindern gemacht haben. Kinderfeindlich kann auch ein Hund werden, der nie die Gelegenheit hatte mit Kindern Kontakt aufzunehmen, einfach weil er Kinder als unklare Objekte nicht einordnen kann. Unklare Objekte machen ihn unsicher, und ein unsicherer Hund wird immer versuchen, sich Klarheit zu verschaffen, d.h. entweder weglaufen oder sich der Gefahr stellen und das Objekt verjagen.

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass Kinder Freude an Hunden haben, soweit sie nicht zur Ängstlichkeit Hunden gegenüber erzogen worden sind. Die Frage ist nur, ob auch der Hund Freude an Kindern hat. Es gibt kaum eine Mensch-Hund-Beziehung, bei der mehr Fehler gemacht werden, zum Schaden des Kindes und zum Schaden des Hundes. Kinder und Welpen stehen sich psychisch sehr nah in ihrer grossen Anpassungsfähigkeit.

Deshalb ein Rat:

Besonders wenn man selbst keine Kinder hat, sollte man sich um regelmässigen Kinderbesuch bemühen, um dem Hund die richtigen Kindermanieren beizubringen. Suchen Sie sich ein paar tierliebe Kinder aus der Nachbarschaft, die sich unter Ihrer Anleitung mit Ihrem Welpen beschäftigen. So machen Sie dem Welpen, den Kindern und sich selbst eine Freude, und Ihr Welpe lernt gleichzeitig, den Umgang mit Kindern positiv zu sehen. Aber immer wieder eine Bitte:

Lasst Kinder mit Hunden spielen - aber nie ohne Aufsicht! Es fehlt beiden an der notwendigen Einsicht auch wenn Sie einander eng verbunden sind. Das Spiel der Hunde ist auf das feste harsche Fell des Wolfes instinktmässig festgelegt. Zwicken gehört zu den Freuden des Spiels. Wir Erwachsenen halten das aus - bei einem drei- oder vierjährigen Kind kann das blutende Wunden erzeugen, die vom Kind missverstanden werden können.

Faustregel Nr. 1 heisst also:

Es ist pure Vernachlässigung der elterlichen Aufsicht, wenn man einen Hund mit einem Kind alleine lässt, das noch nicht in der Lage ist, diesen Hund in allen Situationen zu beherrschen. Eltern, Kind und Hund müssen eine geschlossene Gemeinschaft sein. Anders geht es nicht.

Herumkrabbelnde Kinder werden vom Hund eher als eine Art untergeordneter Mithund betrachtet und auch so behandelt. Grössere Kinder, die nicht sorgsam angeleitet werden, können dem Hund das Leben zur Hölle machen. Es ist wirklich rührend, was sich gutmütige Hunde alles von Kindern gefallen lassen. Aber manchmal reisst auch denen der Geduldsfaden. Wenn ein Hund eifersüchtig oder futterneidisch ist, und er deswegen ein Kind auch nur geringfügig kneift, muss er sofort zur Ordnung gerufen werden. Aber auch Kinder müssen unbedingt lernen, dass man Hunde auch zu respektieren hat. D.h. sie müssen lernen, den Hund in Ruhe schlafen zu lassen oder ihn beim Fressen nicht zu stören.

Ein besonderes Thema sind Kinder, die nicht ahnen können, dass man einen Hund, der etwas frisst, am besten in Ruhe lässt. Wiederum kann man vorbeugen. Oft lassen Hunde nämlich einen Erwachsenen ans Futter, reagieren aber rabiat, wenn Kinder in ihre Nähe kommen. Möglichst bei einem jungen Hund bewährt es sich, wenn man ihm nur eine geringe Futtermenge in den Napf legt und nun seine Kinder anregt zum Hund zu gehen um ihm nun weiteres Futter in den Napf zu legen. Damit wird für den Hund die Annäherung eines Kindes zu seiner Mahlzeit ein angenehmer Vorgang, so dass er in dieser Situation, statt zu knurren, sogar freundlich und erwartungsvoll mit dem Schwanz wedelt.

Bei Kindern fremder Leute können Sie überhaupt nicht davon ausgehen, dass diese gelernt haben, wie man mit Hunden umgeht. Daher liegt die Verantwortung bei Ihnen. Das heisst nichts anderes, als dass Sie Ihren Hund besser erziehen müssen, als gar mancher seine Kinder.

Ein sehr weitverbreiteter Fehler, der schon gelegentlich zum Tod von Säuglingen geführt hat, betrifft in der Regel das erstgeborene Kind eines Paares, das sich lange vor dem Kind einen Hund als Kinderersatz angeschafft hat. Der Hund war Mittelpunkt der Familie und Empfänger zahlloser Streicheleinheiten. Womöglich stand ihm die ganze Wohnung zur Verfügung, vielleicht sogar das Bett. Jahre später kommt der Säugling, und aus ist es mit diesem Leben. Der Hund wird abgeschoben, womöglich noch aus dem Haus in den Garten verbannt. Ein solcher Hund wird alles daran setzen, seine bisherige Stellung wieder zu erobern, und wenn es mit Gewalt ist. In diesem Falle hätte man den Hund mit einbeziehen müssen, ihm Sicherheit geben sollen, dass sich für ihn nichts ändert und aus dieser Sicherheit heraus hätte es wahrscheinlich eine reibungslosere Annäherung zum Kind gegeben.

Mit freundlicher Genehmigung des MV Büttgen